Wie ging es dir bei der Anreise bzw. vor deinem Start?

Nicht so gut, mir wurde bereits zwei bis drei Wochen vor dem Start schlecht bzw. mulmig, nur wenn ich daran gedacht habe…

Am Mittwoch vor dem Start war ich wieder zuhause und hatte fertig gepackt, da fing die Panik dann so langsam an. Ich hatte richtige Anfälle, in denen ich zitterte und mir schwarz vor Augen wurde. Ich bin schon immer sehr von Lampenfieber geplagt.

Dieses Schlechtsein Gefühl steigerte sich dann über die nächsten Tage immer mehr.

Kurz vor dem Start konnte ich mich dann aber konzentrieren und hatte beim Lauf SpaßWie war deine Gefühlslage nach Zieleinlauf. Wann hast du begriffen was du erreicht hast? Hast du dir im Vorhinein Chancen auf die vorderen Plätze ausgerechnet?

Also begriffen habe ich es immer noch nicht richtig, da durch Corona vieles weggefallen ist und immer noch wegfällt und unreal erscheint, so fanden ja auch keine Siegerehrungen statt und man konnte sich gegenseitig nicht mal gratulieren. Das war echt ziemlich mau bzw. schwach und unverständlich.

Aber ich bin generell ziemlich sentimental bei Wettkämpfen und bei diesem mal erst recht, denn darauf habe ich ziemlich lange hingearbeitet und auf einiges davor verzichtet. Umso größer ist die Freude, wenn man es dann hinter sich hat…  Ich war körperlich wirklich ausgepowert, aber als ich dann die Zeit sah, war ich glücklich. Worüber ich auch sehr glücklich war, dass ich nicht allein war, sondern mit Neele zusammen, einer Freundin und Trainingskameradin. Für mich waren und sind die Menschen mit denen ich so etwas erlebe und vor allem mit denen ich trainiere schon immer mit am wichtigsten und wirkten sich ebenso auf meine Leistungen aus.

Ich muss aber zugeben, dass ich mich an den Lauf und direkt danach kaum erinnern kann.

Wie waren die Vorbereitungszeit und Motivation während Corona und nach den Lockerungen?

Meine Motivation waren in Coronazeiten von Anfang an, die Deutschen Meisterschaften und das hat sich ja jetzt ausgezahlt 🙂

Aber umso länger Corona dauerte umso mehr schwand die Motivation, da auch immer mehr ausfiel, wie Trainingslager auf die man sich schon lang gefreut hat. Jedoch gab mir der Trainingsplan eine gewisse Struktur in den Alltag und war das einzige was ich regelmäßig neben Schule außer chillen machen konnte.

Und Zweifel waren nur in Bezug auf die Frage ob es denn überhaupt stattfindet da und als dann das Datum bekannt war, regte es mich lediglich auf, dass es keine Ferien gab…

Wie war es für dich ohne Zuschauer und Eltern vor Ort?

Naja die letzten Wettkämpfe waren bereits ja auch schon ohne Eltern. Was mir allerdings fehlte waren die Teamkollegen, bzw. die Zurufe beim Lauf. Und klar wäre der Moment wahrscheinlich viel realer mit Eltern vor Ort gewesen und auch besser zu genießen, aber das geht ja auch noch nächstes Jahr.

Aber diese Einschränkung kann ich noch verstehen, im Gegenteil zu der Regel, dass wir nur zur Zeit des Laufes rein konnten und keine Chance hatten, unsere Freunde an den nächsten zwei Tagen zu unterstützen.

Was oder Wer hat Dich beim LAC besonders geprägt? Was ist Dir besonders in Erinnerung geblieben und was denkst du wirst Du vermissen?

Also ich werde auf jeden Fall meine Trainingsgruppe mit all den Menschen, die mit die wichtigsten in meinem Leben waren, vermissen. Also zum einen Kimi mit dem ich seit Beginn an trainiert habe, denn wir waren meist die Einzigen in unserem Alter und haben uns deswegen gegenseitig duelliert und das hat, mich zumindest, motiviert und gepusht. Also ein Trainingspartner kann Goldwert sein.

Ebenfalls werde Ich all die Anderen wie Justin und Ben, sowie Elli vermissen, mit denen ich diesen Weg gegangen bin und die mir als Freunde zur Seite standen sowie ich ihnen, denn auch wenn es eine Einzelsportart ist, könnte ich diesen Sport niemals alleine durchziehen.

Ziemlich doll werde ich auch meine Trainerin Anja Mielack vermissen, die für Ihre Sportler da ist, egal ob es etwas wegen des Sportes oder privates ist, sie war für mich da.  Sie macht diesen Posten als Trainerin mit vollem Engagement und steckt so viel Zeit in uns. Und dafür bin ich ihr sehr dankbar!

Durch deine Leistung bei den Deutschen hättest Du dich auch für die EM qualifiziert, wie groß ist der Ärger oder die Trauer, dass es nicht stattfinden wird?

Naja allzu groß ist sie nicht, da ich weiß, dass ich es ohne die Coronaquarantäne niemals so weit so schnell geschafft hätte und so eh nicht hätte teilnehmen können, wenn Corona nicht gewesen wäre.

Aber klar trotzdem, ärgert man sich etwas, denn das wäre so das größte was ich erreichen möchte und könnte.

Was ist dein nächstes Ziel?

Einmal Deutschland bei einem Wettkampf vertreten, also z.B. nächstes Jahr die EM Norm nochmals zu laufen und dann auch dort zu starten.

Gibt es sonst etwas, was du gerne sagen möchtest?

Wie ich schon erwähnte sind Trainer und Trainingsgruppe extrem wichtig, und so bin ich auch sehr dankbar für meine neue Trainingsgruppe mit Neele und Lilli, ohne welche ich so manche Einheit hätte auch nicht durchziehen können,.

Was würdest du den jungen Sportlern und Sportlerinnen mit auf den Weg geben?

Bitte NIEMALS aufgeben! Ich war bis zur u16 auch oft nur Mittelmaß und habe einfach weitergemacht und es ja jetzt doch zu etwas gebracht.

Und habt Spaß daran, denn ohne den wird es sicherlich nichts langfristig gesehen, Freut euch aufs Training und findet Freunde, denn mit dem richtigen Team macht es nochmal mehr Spaß und bringt euch bestimmt auch bessere Leistungen (zumindest bei mir )

Mentale Stärke wird im Leistungsbereich dann nämlich auch gefordert, denn vieles passiert in eurem bzw. durch euren Kopf, wenn der nicht mitmacht oder die falsche Einstellung hat, dann wird es beim Wettkampf auch nichts egal wie gut ihr trainiert habt!

Und ganz wichtig, respektiert eure Trainer und schenkt ihnen Vertrauen denn ohne sie habt ihr keine Chance. Danke an der Stelle nochmals an all meine Trainer, besonders Anja M. beim LAC, die einem vor allem menschlich weitergeholfen hat!

Als letztes noch, verliert niemals euren Ehrgeiz! Das ist meiner Meinung nach die wichtigste Eigenschaft um ans Ziel zu kommen.

 

Interview: Anja Scheibner